Premierenfotos Medienecho

KASPAR H.

Jugendstrafanstalt Berlin
Ein Musiktheaterprojekt von aufBruch mit Musikschülern der Musikschule „Fanny Hensel“, Berlin-Mitte. Es spielen die Inhaftierten der Jugendstrafanstalt Berlin gemeinsam mit den Musikschülern.

 

„Wie lang er auch leben möge, er bleibt ewig ein Mensch ohne Kindheit und Jugend.“ (Anselm Ritter von Feuerbach, 1832)

 

Interessant am Fall des berühmten Findelkindes Kaspar Hauser ist für ein heutiges Publikum weniger seine bis heute ungeklärte Herkunft, die Umstände seines Auftauchens, die unvorstellbaren Bedingungen seiner jahrelangen Isolation und die Ungeheuerlichkeit seines Überlebens, sondern das sich in seinem Schicksal widerspiegelnde Selbstverständnis bürgerlicher Bildung und Erziehung im Zuge der Aufklärung.


Kaspar Hauser steht für das unbekannte und gefürchtete Wesen. Er tauchte am 26. Mai 1828 in Nürnberg als etwa 16-jähriger, geistig anscheinend zurückgebliebener und der Sprache nicht mächtiger Jugendlicher auf. Er wurde untersucht, gepäppelt, dressiert und starb fünf Jahre später, als kein Interesse mehr an ihm bestand, an einem Messerstich. Trotz oder gerade wegen der in ihn gesetzten Erwartungen und des damit einhergehenden Drucks konnte ihm der gesellschaftliche Common Sense nicht verständlich werden. Ein Scheitern traditioneller Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen, das bis heute Reibung bietet.

Die meisten Insassen der Jugendstrafanstalt Berlin kommen wie Hauser aus einer uns unbekannten Parallelwelt. Ihre Sprache, ihre Sicht, ihr Verhalten bleiben fremd. Sie sind jener, ihrer, Welt angepasst und passen nicht in unsere. Sie werden wie Kaspar Hauser erst wahrgenommen, wenn sie zu einem Fall werden. Wie ihr Vorgänger in Nürnberg 1828 brechen sie in unseren geregelten Alltag ein und werden zu Objekten der (Re-)Sozialisierung auf pädagogischer, therapeutischer, publizistischer und nicht selten gar politischer Ebene. Damit teilen sie Hausers Schicksal.


Im gemeinsamen Spiel mit Musikschülern verschwimmen auf der Bühne der Jugendstrafanstalt in dieser Produktion erstmalig die Grenzen zwischen drinnen und draußen, zwischen Musik und Theater, Instrument und Stimme und - nicht zuletzt - zwischen Aus- und Einstieg aus dem und in den Knastalltag.


Regie: Peter Atanassow
Bühne: Holger Syrbe
Kostüme: Ildiko Okolicsanyi
Musikalische Leitung: F. J. Schneider
Dramaturgie: Jörg Mihan
Choreografie: Winfried Tesmer
Produktionsleitung: Sibylle Arndt
Pressearbeit: Björn Pätz
Regieassistenz: Carolin Forkel
Technik: Torsten Rohrmoser
Grafik: Alexander Atanassow


Es spielt das Gefangenenensemble der JSA Berlin gemeinsam mit Musikschülern der Musikschule „Fanny Hensel“: Anthony Kern, Antonio MIB, BLIZZ, Bufas, Gino, Karina Pergl, Kima, Mahmoud Zeidan M.W.61, Marko, Maxi Heinicke, Nasib, Shahid, Sébastien, TM, Vitalij und Yasin.

Aufführungstermine:
Montag, der 01.12.2008 (Premiere)
Mittwoch, der 03.12.2008
Freitag, der 05.12.2008
Mittwoch, der 10.12.2008
Freitag, der 12.12.2008

Uhrzeit: jeweils 17:30 Uhr, letzter Einlass 17:15 Uhr

Dauer: ca. 60 min
Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Publikumsgespräch.

 

Aufführungsort:
Kultursaal der Jugendstrafanstalt Berlin
Friedrich-Olbricht-Damm 40
13627 Berlin

Kartenvorverkauf an der Kasse der Volksbühne.

 

 

KASPAR H.
eine Produktion von aufBruch – KUNST GEFÄNGNIS STADT in der Jugendstrafanstalt Berlin in Kooperation mit der Musikschule „Fanny Hensel“, Berlin-Mitte