"Das Gefangenentheater Aufbruch zettelt mal wieder eine Rebellion an. Dieses Mal greift die Truppe um den Regisseur Peter Atanassow dabei auf den bürgerlichen Trotzkopf Michael Kohlhaas zurück..."
(Neues Deutschland, zum online-Artikel)
"Wer hätte gedacht, dass es beim sonst auf schwere Stoffe abonnierten aufBruch Gefängnistheater jemals einen Running Gag geben würde? Doch Peter Atanassows Inszenierung "Kohlhaas" nach Motiven von Heinrich von Kleists gleichnamigem Drama ist ungewohnt locker-witzig geraten, ohne den ernsten Hintergrund zu veralbern. Die schweren Jungs vom Gefangenenensemble der JVA Tegel spielen so herrlich selbstironisch, wenn sie etwa als gewiefte Landesfürsten über Täterprofile debattieren, dass sie bei der Freiluft-Premiere im Innenhof der JVA einen Szenenapplaus nach dem anderen einheimsen."
(Berliner Morgenpost Artikel)
"Und sie spielen göttlich!!"
(Kultura Extra)
"... Das Bühnenbild erinnert an einen MIG-Hangar oder einen Bunker. Bevor sich das 30köpfige Ensemble als gewaltiger Gefangenenchor bewährt, bringt es die Zuschauer zum Lachen.
Was sich einbrennt, sind die Chorszenen und Choreographien, mit Abstand das Schwierigste in der Schauspielarbeit. Seitenweise werden Kleist und Co. chorisch skandiert. Immer wieder gehen Gruppen aufeinander los, minutenlang werden Fäuste im Takt geschwungen. Six-Pack-Hansi, Chaos, Ceto, Denny, Klaus, Horst, Pitt, Yussuf, Vali, Ahmed und die anderen sind von Regisseur Peter Atanassow ohne Frage zu einem Kollektiv getrimmt worden..."
(Junge Welt)
"... aufBruchs "Kohlhaas" ist ein durch machtvolle chorische Blöcke geprägte Studie über die gärende Gewalt jener, die sich zu kurz gekommen fühlen. Die Grasnarbe zwischen den Klinkerblöcken der Zellentrakte ist ein kongenialer Ort für dieses Schauspiel. "
(zitty Berlin)
"Am Ende bekam Kohlhaas Recht und trotzdem verlor er sein Leben. ...
In Tegel geht es aber auch um die durchaus aktuelle Frage, wann bricht ein Mensch mit allem ihn anerzogenen gesellschaftlichen Konventionen. Wann wird er zu dem, was die öffentliche Meinung kriminell nennt? Wenn ein junger Darsteller mit migrantischen Hintergrund einen von Kohlhaas Vertrauten spielt, dann redet er im Stile der Jugendlichen in einem der sogenannten Problemkieze. ... Diese Methode mag Hütern des klassischen Theaterstücks nicht schmecken, in Tegel gewinnt das Stück durch die Aktualisierung allerdings."
(Peter Nowak, zum Artikel)
"Michael Kohlhaas hat drei Gesichter. Eines ist das des dunkelhäutigen Ahmed. Das zweite ist blass, der Kopf kahlgeschoren: Michael. Das dritte, das von Volker, wird eingerahmt von kurzem blonden Haar, eine Brille mit dünnem Rand sitzt akkurat auf der Nase, darunter der schmallippige Mund. ...
Immer wieder schmettern kraftvolle Sprechchöre die Ereignisse, vervielfachen Kohlhaas’ Schicksal als wäre es das eines jeden, der einstimmt. Viele der Darsteller haben die Arme eng an den Körper gelegt, die Hände zu Fäusten geballt, die Stirn vor Anstrengung zusammengezogen. Nach gelungenen, spontan applaudierten Szenen aber lassen sie ein scheues Lächeln zu."
(Märkische Oderzeitung)
"Dabei ist das Stück des zirka 30-köpfigen Ensembles nicht nur eine bloße Wiedergabe von Kleists Novelle: Vielmehr ist „Kohlhaas“ eine Collage aus verschiedenen Bearbeitungen des Kohlhass-Motives kombiniert mit eigenen Erfahrungen der Schauspieler."
"Und da ist die berühmte, zweihundert Jahre alte Kleist-Erzählung sicher eine der ortsspezifisch besten Textvorlagen. Ihre Geschichte um die Selbstjustiz eines ehrbaren Rosshändlers, der von einem Junker um zwei Pferde gebracht wird, und, weil der Rosshändler Recht als bloße Machtausübung nicht akzeptiert, " aus verletztem Rechtsgefühl zum Räuber und Mörder wird", überzeugt noch heute durch ihren existenziellen Zugriff. Jeder Schauspieler muss ausloten, inwiefern er sich mit Kohlhaas vergleichen will oder kann. Die Zuschauer dürfen sich als das Volk verstehen, das einem dramatischen Schicksal tatenlos zusieht."
(Süddeutsche Zeitung)
... Die Gespräche mit den Gefangenen nach der Aufführung wirken auf die Besucher jedenfalls ziemlich offen.
"Und, wie viele Spielzeiten werden Sie noch erleben?" Jeder Gefangene durchschaut diese Frage, aber weshalb sollte er verschweigen, wie lange er noch sitzen muss? Immerhin gerät er hier - wenn er möchte, und die meisten möchten - in Gespräche mit Menschen, die seine Arbeit würdigen. Die nicht der Meinung sind, Gefangene sollten bei Wasser und Brot in der Zelle schmoren. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf dem man sich vorsichtig für eine halbe Stunde gegenseitig annähert. Hier, in der größten Vollzugsanstalt der Republik.
"Und was machen Sie beruflich?", will eine Zuschauerin wissen. "Ich bin Drogendealer",...
(Berliner Zeitung, zur Online-Ausgabe des Artikel)
"Diesmal also Heinrich von Kleist, signifikant komprimiert und perfekt kontrapunktiert mit Texten von Bronnen, Frisch, Jelinek, Meinhof, Shakespeare, Heiner Müller, Christa Wolf."
(Theater heute online, zum Blogeintrag)
