Pressespiegel Fotos PENTHESILEA UND ACHILL

Wenn ein Gefängnistheater den Strafvollzug verlässt, um "draußen" zu spielen, denkt man möglicherweise an elektronische Fußfesseln. Die Darsteller, die diesmal auf die Museumsinsel ziehen, sind zwar vom aufBruch Theater, aber das Ensemble ist hier eine Mischung aus ehemaligen Inhaftierten, Schauspielern und Laiendarstellern. Da ist nichts Beunruhigendes dran. Eher an dem Gedicht, das Friedrich Freiherr von Logau verfasst hat: "Welch ein künstlich Netz/ Ist doch das Gesetz,/ Kleines ist gefangen,/ Großes durchgegangen." Vor 400 Jahren geschrieben, klingt es immer noch beängstigend gegenwärtig. ...
(Berliner Zeitung, Artikel)


Küsse und Bisse
Amazonen und Griechen (Frauen und Männer) sind im permanenten Kriegszustand. Ihre beiden AnführerInnen PENTHESILEA UND ACHILL krachen sehr unvermeidlich aufeinander, schau'n sich also in die Augen, und es funkt... Der Tier- (also der Menschen-)Instinkt "obsiegt", die Liebe übernimmt jetzt die Regie; am Schluss frisst sie ihn auf... (KulturaExtra)

... Die Schauspieler verstecken sich zwischen den Säulen und als die Wolkendecke aufbricht wirft die Abendsonne ein schwaches Licht auf die Säulen. Langsam wird es dunkler und die Scheinwerfer tauchen die Szene in gleisendes Licht. Im Hintergrund fährt die S-Bahn vorbei und die man auch die Geräusche der Vögel, die ihr Domizil in den alten Bäumen vor dem Lustgarten haben, fügen sich gut in das Stück ein. Der Regen am Anfang des Stücks, der bald nachlässt, ist nicht etwas Lästiges, was man ertragen muss, sondern Teil der Szene und der Wahrnehmung. Hier merkt man erst, wie eingeschränkt ein Theaterabend an den vollklimatisierten Theatern ist.... (Freitag, zum Artikel)

Bei dieser "Penthesilea" kommen auch Kick-Boxer zum Einsatz
Kleists Stück ist mit seinen langen Schlachtenberichten und verschlungenen Versen einer der schwersten Texte, die sich das Theater vornehmen kann.
So legt Peter Atanassow die Latte für seine Spieler vom Gefängnistheater Aufbruch mal wieder denkbar hoch.
(Berliner Morgenpost, zum Artikel)

Am Ende vermeint man, dass die Luft von Militärkluftgeruch und Schweiß über dem Spielort schwer geworden ist. Die Schlacht ist beendet. Nichts ist gewonnen. Die Liebe hatte keine Chance. ...
Atanassow arbeitet ausgezeichnet mit dem Areal, das eine gute Akustik bietet. Er verzichtet auf weitere Kulisse. Auf der leicht ansteigenden Auffahrt zwischen den Häusern und in den Kolonnaden lässt er die Heere parallel aufmarschieren. Dort und davor gehen sie aufeinander los oder ziehen aneinander vorbei. Valerie Kroener schuf dafür eine eindrucksvolle Choreografie.
(Neues Deutschland, zum Artikel)

Der Begriff "Freiluft" scheint, anlässlich des viereckigen Stück Himmels, dass  hoch über den Köpfen der Zuschauenden sichtbar wird, übertrieben, stattdessen ist der hinterste Winkel der preußischen Machtarchitektur wie geschaffen für die Kriegsszenarien dieses Stückes. ...
Und nicht nur Penthesilea konnte nicht lieben, ohne zu verlieren, auch Achill konnte es nicht, deshalb hat Kleist in seinem bewegenden Werk ihn zuerst sterben lassen. Nicht durch sie, sondern durch die Hunde, Symbol des Krieges und der Aggression, mit jeglicher Liebe kollidierend. Absolut lohnenswert! Kleist wird hier sichtbar als Klassiker, der weit über Goethe steht, der mit diesem Stück rein gar nichts anfangen konnte.
(Junge Welt)

Holger Syrbes Bühne besteht aus ein paar klug postierten Scheinwerfern; nichts verstellt den Blick auf die Rückwand des Neuen Museums und die Säulengalerie des Kolonnadenhofs rechts, auf die Südseite des Pergamonmuseums links und auf die Flanke der Alten Nationalgalerie hinten. Mehr Preußen hat Berlin nirgends zu bieten, aber das kantige Spiel der Gefängnistheatergruppe "aufBruch" besorgt, dass es niemandem allzu idealisch ums Herz wird. ...
Und immer, wenn Beate Schulz als Oberpriesterin auftritt - mit kurzen Kommandos, würgendem Widerwillen oder herzzerreißender Hingabe -, erinnert sie daran, dass dies hier weder Berlin ist noch Athen und schon gar nicht Preußen, sondern das ewig wahnwitzige Schlachtfeld der Gefühle. Was dann doch gut passt zum irren Blau dieses Himmels, der sich da oben über allen räkelt.
(Rheinischer Merkur)

... In einer Szene vermeint man die Griechen sogar bellen zu hören, was weniger furchteinflößend als demütigend für das männliche Geschlecht ist. Denn dass bellende Hunde nicht beißen, beweist an anderer Stelle ein kollektiver Striptease, der nichts als biedere weiße Langbeinunterhosen enthüllt.
(Karolin Korthase bei Kultiversum)