Freiluftgefangenentheater in der JVA Tegel
Anlässlich unseres zehnjährigen Bestehens wollen wir uns in diesem Frühjahr gemeinsam mit dem Gefangenenensemble mit dem Mythos des Gesetzesbrechers als Volkshelden beschäftigen:
Der Mensch, der sich die Freiheit nimmt, jenseits herrschender Gesetzgebung nach seinen eigenen Überzeugungen und Wertvorstellungen zu handeln.
Als literarische Vorlagen dienen zwei Klassiker der deutschen Dramatik: Goethe's "Götz von Berlichingen" und Schiller's "Die Räuber".
Beiden Figuren haftet innerhalb der Rezeption der deutschen Klassik etwas Heroisches und Unbestechliches an. Ihre realen Vorbilder waren für viele Zeitgenossen allerdings in erster Linie Kriminelle, die lediglich von den Mittellosen im Volk verehrt wurden. Heute würde man ihnen kriminelle Energie und gesellschaftsgefährdende Aktivitäten unterstellen, weswegen die dramatische Bearbeitung gerade dieser beiden Figuren innerhalb der Gefängnismauern ein spannender Ausgangspunkt ist, um sich mit dem Ideal des vom Volk verehrten Outlaws künstlerisch auseinander zusetzen.
Nach dem Erfolg der NIBELUNGEN im vergangenen Jahr werden wir mit "RÄUBER.GÖTZ" ein neuerliches FREILUFTGEFANGENENTHEATER in die Tat umsetzen.
Die diesjährige Inszenierungsarbeit des Gefangenenensembles steht im Zeichen des zehnjährigen Jubiläums von aufBruch KUNST GEFÄNGNIS STADT.
Zum Stückinhalt:
Der mittellose Raubritter Götz versucht sich und seine Mannschaft in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs durchzubringen. Das Kapital regiert, der Kaiser ist schwach, die Fürsten gieren nach Macht, aufrührerisch sind die Bauern. Aber so leicht lässt sich Götz nicht unterkriegen, auch nicht vom Bamberger Bischof, der im Sinne seiner eigenen Karriere den Angriff auf Götz' Ritterehre wagt. Zu der gehört durchaus auch schon mal Raub und Erpressung. Damit kommt er dem nach Macht und Effektivität strebenden Bischof schnell in die Quere, der ihn mit Hilfe des Kaisers und seines Jugendfreundes Adalbert von Weislingen kurzerhand kaltstellen will.
Götz verbündet sich im Gegenzug mit den aufständischen Bauern, verliert dennoch die Schlacht und alle Getreuen und wird gefangen genommen. Auf ihn wartet ein Schauprozess.
Götz wurde als Ritter zum Räuber und blieb doch als Räuber ein Ritter. Dieser Fall aus dem deutschen Mittelalter reicht bis zu den Schlachtfeldern und hinter die Gefängnismauern der Neuzeit. Vor der Kulisse der TA 2 und unter freiem Sommerhimmel verbinden sich Theaterkunst und Gefängnisalltag, Dichtung und Wahrheit, Gegenwart und ausgehendes Mittelalter.
Termine:
Mittwoch, 13.06.2007 um 18 Uhr PREMIERE
Mittwoch, 20.06.2007 um 18 Uhr 2. Vorstellung
Freitag, 22.06.2007 um 18 Uhr 3. Vorstellung
Mittwoch, 27.06.2007 um 18 Uhr 4. Vorstellung
Freitag, 29.06.2007 um 18 Uhr 5. Vorstellung
Freitag, 06.07.2007 um 18 Uhr 6.Vorstellung
"RÄUBER.GÖTZ" Freiluftgefangenentheater in der JVA Tegel:
Es spielt das Gefangenenensemble der JVA Tegel: Albert Bach, Atila Dincer, Chris, Erdo Baba, Fatih, Hakan Bayazit, Hüseyin Okur, Ivan Jakovlev-Pillau, Kurt Lummert, Matthias Donwen, Milan Son, Para Kiala, Paul, Peter&Paul, R.W., Sait Kocak, Sebastian, Timur D., Toni, Tuncay, Volker Ullmann, Wilfried Scheffler, Wolfgang R., Yussef Yussef
Regie: Peter Atanassow
Bühne: Gregor Sturm
Kostüme: Uta Kala
Dramaturgie: Jörg Mihan
Choreografie: Aleksandar Acev
Technische Leitung: Holger Syrbe
Produktionsleitung: Sibylle Arndt
Öffentlichkeitsarbeit: Björn Pätz
Regieassistenz: Asja Neumann
Bühnenbildassistenz: Silke Bauer
Dramaturgieassistenz: Agnes Bohley
Technik: Ralf Kallweit
Grafik: Alexander Atanassow
