Im Knast gibt es nicht nur die bürokratisch geprägte Sprache der Vollzugsgewaltigen, die der Gefangene aus Orientierungsgründen verstehen muss, sondern auch eine ganz andere, quasi eine Knast-Sprache. Die Begriffe unterscheiden sich in den verschiedenen Regionen der Bundesrepublik, sind aber alle bezeichnend für die Zustände im Knast, verdeutlichen Gefühle und Gedanken der Weggeschlossenen.
Zusammengestellt von Frank Giesen
Abbunkern | etwas verstecken |
Abkübeln/Auskellen | Essensausgabe |
Alsbald | Justizdeutsch für: nicht heute, vielleicht nächste Woche oder nächsten Monat oder nächstes Jahr - oder auch nie |
Abkacken | Zeit im Knast verbringen, auf der Zelle hocken; allgemeiner auch: nicht klarkommen |
Abpissen | Urinprobe abgeben (bei Verdacht auf Drogenmissbrauch) |
Acht | Handschelle |
Affen schieben | Drogenentzugserscheinungen zeigen: Frieren, Schlaflosigkeit, Erbrechen, Krämpfe usw. |
Allgemeiner Vollzugsdienst | Uniformierte Bedienstete z.B. auf den Abteilungen; haben den meisten Kontakt zu Knackis |
Aki | Informant |
Aktive | Fabrikzigarette (im Gegensatz zur Selbstgedrehten) |
auf Ampel gehen | Notrufknopf in der Zelle betätigen (dann geht vor der Zelle eine Lampe an und es kann sein, dass bald ein (s. dort) Grüner kommt) |
Analjäger | Knastschwuler auf der Suche/Jagd nach einem Loch |
Annonce | Denunziation eines Mitgefangenen |
Antrag | Nichts geht ohne; für alles und jedes erforderlich: Arztbesuch, Betreuung durch Seelsorger, Sozi oder Psychologen, Sonderbesuch, Telefonat, Paketmarke Briefmarke, Papier, u.s.w. (auch Vormelder genannt) |
Arbeit | Strafgefangene müssen, Untersuchungsgefangene dürfen arbeiten: sofern welche da ist. In Tegel haben ca. 1000 der etwa 1800 Inhaftierten Männer eine Arbeit |
Aquarium | Glaskanzel in den einzelnen Abteilungen für die (s. dort) Schließer |
Aso | Asozialisierung |
Aufgesetzter | Hausgebrautes alkoholisches Getränk; unter Hefe- und Zuckerzusatz aus Fruchtsaft erzeugt |
Aufleger | Kleine Haschischmenge |
Aufschluss | Zeit, in der die Zellentür geöffnet ist |
Ausführung | Begleitet von Beamten die JVA verlassen; mit oder ohne Acht, Fußfessel, Pistole |
Ausgang | Erste Lockerung; unbegleitet die JVA verlassen, z.B. für Ämtergänge vor der Entlassung |
Außensprecher | Gespräch über die Gefängnismauer hinweg |
Auswuchten | Psychiatrische Behandlung, u.U. in einer (forensischen, geschlossenen) Klinik |
Baby | Wein in der Tüte, oder reiner Schnaps |
Ballern | Einen Schuss setzen; Heroin - oder seltener andere Drogen - spritzen |
Barscheck | Vorblatt zum Einkaufsschein |
Bello | Toilettenschüssel |
Besuch | Anspruch besteht auf 1 Std. pro Monat, zusätzlich/länger im Ermessen der Anstalt |
Besuchsraum | Wartezimmer ähnlicher Raum mit enormen Geräuschpegel, ohne jegliche Privatsphäre |
Bittsteller | auch Vormelder genannt (s. auch Antrag) |
blankmachen | ausziehen |
Blauzeug | Anstaltskleidung |
Blech | Aluminiumfolie zur Heroinaufbereitung |
Blubba | Eintopf/Knastsuppe |
Blubber | (Selbstgebaute) Wasserpfeife (zum Haschisch Purrauchen) |
Bodenkosmetiker | Flurreiniger |
Bombe | 200g-Glas löslischer Kaffee |
Brenner | Selbstgebauter Kocher (aus einer Dose zum Betrieb mit Öl oder Margarine) |
Brett | Zellentür |
Briefe | Meist einziger Kontakt zur Außenwelt; Zensur und Laufzeiten von 3-6 Wochen in der U-Haft sind die Regel. Inhalte dienen manchmal auch als Belastungsmaterial beim Prozess. |
Brühmann | Becher Kaffee |
BtMer | Nach dem Betäubungsmittelgesetz Verurteilte |
Budenspanner | Zellenmitbewohner (s. auch Passmann) |
Bunker | Aufenthalt in einer B(eruhigungs)- Zelle. In der Regel als Disziplinar-, Sicherungs- oder Beruhigungsmaßnahme. Fesselung möglich. Kann stunden- oder tageweise verordnet werden. Empfänger dieser Maßnahme erhalten in der Regel außer Shorts und Wolldecke nichts anderes. Matratze auf dem Boden ersetzt das Bett. WC im Boden eingelassen. Ununterbrochene Videoüberwachung. Externe Temperaturregelung. |
Bus | Ein von allen Seiten verhängtes Doppelstockbett |
Büttel/Bulle | Beamter |
Chef | Damit ist immer der Anstaltsleiter gemeint; je nach Persönlichkeit, wegen fast unbegrenzter Möglichkeiten, manchmal auch "Herrgott" genannt |
Container | 200 g Taback in eckiger Plastikdose (Sachsen) |
Dachdecker/in | Psychologe/Psychologin |
Daktari | Anstaltsarzt,-ärztin |
Doping | Vollzugshelferbesuch |
Drehung | Selbstgedrehte Zigarette; auch: dünne Drehung |
Dröhner | Tauchsieder Marke Eigenbau |
Einen Fisch machen | Abhauen, Flüchten |
Einfahren | In den Knast eingeliefert werden |
Einkauf | 2mal im Monat von einem Monopollieferanten zu überhöhten Preisen. Angebot beschränkt auf die notwendigsten Dinge |
Einschluss | Zelle wird verschlossen (zur Zählung) |
Eumeln | Freizeitbeschäftigung |
Fackel | Brennvorrichtung aus zusammengerollten, mit Margarine bestrichenem Toilettenpapier |
Fahne schmeißen | Notsignal (s. auch "auf Ampel gehen") Eine mechanisch, von innen ausgelöste Klappe (Fahne) vor der Zellentür wird sichtbar |
Fischbox | Radio in der Wand/Gegensprechanlage |
Filzen | Durchsuchen (einer Person, einer Zelle) |
Filzstift | Beamtenanwärter/Praktikant im Vollzug |
Fliegengitter | Engmaschiges, zusätzlich vor dem vergitterten Fenster angebrachtes Gitter. Soll das Pendeln und den Rauswurf von Gegenständen verhindern (siehe Pendel) |
Freigang | Freigänger ist, wer gelockert ist (Ausgang, Urlaub) und draußen eine feste Arbeitsstelle hat (FB = freies Beschäftigungsverhältnis) |
Freigehege | Durch Zäune und Gitter abgegrenzter Bereich innerhalb des Hofes (Freistundenhof) |
Freistunde | Gesetzlich zustehende Aufenthalt im Freien, eine Stunde (s. auch) Hofgang |
Freizeit | Möglichkeit, sich mit vielen anderen in einem verqualmten lauten Freizeitraum aufzuhalten |
Fuchs | Tauchsieder (aus Rasierklingen, Holz und Draht selbstgebauter Tauchsieder) |
Gift | Rauschgift |
Giftler | Drogenstraftäter; Konsument illegaler Drogen |
Grüner | meist im Plural: die Grünen sind keine Partei, sondern die uniformierten Schlüsselgewaltigen |
Hacken | Tätowieren |
Hafti | Haftgeschenk |
Haftsack | Bett/Matratze |
Hawaiigulasch | Klöße mit Backobst |
Helmträger | wenig intelligenter Gefangener, der sich dumm verhält |
Himmelskomiker | SeelsorgerInnen; veranstalten z.B. Gottesdienste, auch zum Tausch von Zeitschriften u.a.m. |
Hofgang | Gesetzlich vorgeschriebene Freistunde für mind. 1 Std./Tag auf dem Hof (innerhalb der Anstalt versteht sich) |
Hundeleine | Handschelle mit langer Kette dazwischen |
Hütte | Zelle; Haftraum: durchschnittlich 5 bis 8m2 einschließlich WC für 1 oder 2 Personen |
Injection Jackson | Depotspritze (auch Betonspritze genannt) z. B. Haldol o. Lyogen, die Menschen zu Robotern werden lässt. |
Impe | Margarine |
Impebretter | Margarinestullen |
Isolationshaft | Komplettes abschirmen gegenüber der Außen- und Knastwelt; Kontaktsperre |
Joker | Sonderration bei der Essensausgabe |
JVA | Justizvollzugsanstalt |
KäfigheiligeR | AnstaltspfarrerInnen/SeelsorgerInnen |
Kalli/Kalf | Kalfaktor; heute eigentlich Hausarbeiter, zuständig für Reinigung, Material- und Essenausgabe usw. |
Kambodscha-Kartoffeln | Reis |
Kamin machen | etwas vortäuschen |
Kampfanzug | Schlafanzug |
Kas | Abteilungsbeamter, basiert auf der Abkürzung für "Kaiserliche Arrest Schließer" |
Käserin | Abteilungsbeamtin, basiert auf der Abkürzung für "Kaiserlicher Arrest Schließerin" |
Kasi | Oder Casi; Radio mit Casettenrecorder |
Kifi | Kinderficker |
Knacki | Bewohner des Knastes; auch Knastologe; nie aber "Knasti" |
Knochenkoffer | Bett |
Koffer | 40g-Paket Zigarettentabak |
Kommode | Paket |
Kriegsschiff | Haftraum mit vielen Häftlingen |
Lampe/Lampenbauer | Gefangener der andere mit falschen (oder auch richtigen) Aussagen, oder untergeschobenen Gegenständen o.ä., belastet. |
Langer Riegel | Überdurchschnittlich lange Einschlusszeit |
Läufer | Inhaftierter, der jede Gelegenheit nutzt, durch den Knast zu tigern, auch: Verteiler von Drogen. Jedenfalls bei Abteilungs- wie Fachdiensten unbeliebt |
Laufbursche | Beamter |
LAV | Leiter Allgemeiner Vollzugsdienst: oberster "Grüner"; sehr wichtig für Atmosphäre u.a.m. |
Lebendkontrolle | Stündliche oder häufigere Beobachtung bei Suizidgefahr (auch Nachts, meist mit Wecken) |
Legen | Zahlen, unbar z.B. mit Kaffee, Tabak etc. |
Leitplanke | Bewährungshilfe |
Lissy | Klobürste |
LL | Lebenslänglich: in NRW momentan meist zwischen 17 und 25 Jahren, in Berlin durchschnittlich 18,5 Jahre |
Loch | Arrestraum |
Mangeln | Tauschgeschäfte, Handel |
Miefquirl | Ventilator; seltener Gegenstand; wichtig, wenn Zellen im Sommer unerträglich heiß werden |
Mine legen | (s. auch) Lampenbauer |
Minna | Gefangenentransporter |
Mulle | zarter Knabe oder Frau |
Nachschlag | zusätzliches Urteil |
Nachtverschluss | Einschluss zur Nachruhe (an manchen Tagen bereits um 15 bzw. 17.45 Uhr) |
Napfen | Essen fassen |
Natokitt | Kartoffelbrei |
Pack | 40g-Paket Zigarettentabak |
Pakete | in NRW 3Pakete jährlich bis max. 3kg möglich (Weihnachten bis 5kg); Inhalte sind vorgegeben, in Berlin 3 Pakete jährlich bis 5kg außer zu Weihnachten, da sind es 7,5kg |
Panterpisse | Von der Anstalt ausgegebenes Getränk (Muckefuk, Tee) |
Passmann | Kumpel, Bezugsperson im Knast |
Pendel | Plastiktüte an einer Leine, um Gegenstände während des Einschlusses vom Zellenfenster aus in eine andere Zelle zu pendeln |
Pikern | Tätowieren |
Pop-Shop | In verschlossener Zelle hocken |
Plombe | Fernseher und andere Geräte werden verplombt; auch: Freizeitsperre |
Pumpe | Injektionsspritze (für Drogenkonsum) |
Qualm | (größere) Freiheitsstrafe |
Reso | Resozialisierung |
Revier | Bereich, in dem die medizinische Versorgung stattfinden soll |
Rucksack | Einen Rucksack bekommen: in Sicherheitsverwahrung kommen |
Schatulle | Einzelhaft |
Schenzer | Kalfaktor/Hausarbeiter (in einigen Regionen) |
Schlauch | Wein |
Schleck | "Geschenk" für eine Gefälligkeit |
Schließmuskel/ Schlüsselanhänger | Beamter |
SchließerIn | Abteilungsbeamter/beamte, zuständig für den Ein- und Aufschluss der Gefangenen |
Schließfach | Haftraum |
Schub | Verlegungstransport; Gefangene werden in eine andere Anstalt verschubt |
Schuldenburg | Knast im Knast: Hierher kann man sich, aus sicherheitsgründen, verlegen lassen wenn man im Knast gemachte Schulden nicht begleichen kann |
Schwarzmarkt | ...gewährleistet das (Über)Leben im Knast |
Schwinge | Pornoheft |
Sicherheitsnadel | Sicherheitsdienst |
Sittich | Sexualstraftäter |
SozialklempnerIn/Sozi | SozialarbeiterIn |
Spüli | Anstaltskaffee (auch Panzersprit genannt) |
Sprecher | Besuchstermin |
Strichling | jugendlicher Stricher |
Strippen | Ganzkörperkontrolle (§ 84.2) |
Stube/Küche | Absonderungszellein der der Raum noch gesondert durch ein Gitter geteilt ist (siehe Zoo) |
Suizid | Selbstmord. Häufigste Todesursache im Knast. Gefährdete Personen dürfen meist nicht allein bleiben. Besondere Kennzeichnung der Tür (roter Punkt) |
SV | Sicherheitsverwahrung im Anschluss an die Verbüßung der Strafzeit; Ende offen |
Texte | Sprücheklopfen, Motzen |
Trachtengruppe | Uniformierte Vollzugsbeamte (s. Allgemeiner Vollzugsdienst) |
Transi | Transiterradio, selbstgebauter Dedektor |
Transporterzelle | Unangenehmer Aufenthaltsort vor und nach Gerichtsterminen, Transport und Verlegung in eine andere Anstalt |
Ufo | Undefinierbares Fleischobjekt (Frikadelle) |
Umschluss | Besuch in einer anderen Zelle; zu vorgegebenen Zeiten |
Urlaub | Mit Übernachtung(en) raus dürfen; zum Ende der Haftzeit (nicht für alle Inhaftierte) |
Verlade | Nicht eingehaltenes Versprechen |
Vollzugsschlampe | Transsexueller oder bi-orientierter Knacki, der seinen Körper zum Sex verkauft |
Wachtel | Weibliche Bedienstete des Allg. Vollzugsdienstes in Bayern auch für männliche Beamte |
Wartezeiten | (Unendliches) Warten auf Irgendjemanden oder Irgendetwas. Knast-Standard |
Weißtag | Wäschetausch |
Weghängen | Sich erhängen, umbringen |
Werkzeug | Besteck |
Wetterwechsel | Schichtwechsel |
Wikingerrisotto | Meist nicht genauer definierbare Masse aus Fischresten und Reis |
Wohnklo | Zelle |
Yacht | Tauchsieder |
Zinker | Verräter, der Belastendes über andere Gefangene oder Mittäter den Behörden erzählt (s. auch Lampenbauer) |
Zoo | Arrest (Tür plus Gittertür) in Sachsen |
Zwischenlandung | während eines längeren Gefangenentransportes Essen fassen in einem anderen Gefängnis |