Gefängnistheater im Freien
Das Museum mit seiner zweigesichtigen Geschichte ist somit eine passende Realkulisse für Atanassows Inszenierung. Noch realer durch das konkrete Setting: Die Bühne befindet sich im Garten genau vor den Panzern der Roten Armee, deren Geschützrohre direkt auf das Publikum gerichtet sind. (Berliner Zeitung, zum Online-Artikel)
"Sie müssen kooperieren - sonst knallt's"
Peter Atanassow im Gespräch über Gruppendynamik, Hierarchien der Straftaten und Defekte aus Armeezeiten. (taz, Online-Ausgabe des Interviews)
Theater zur Zeit - Wolokolamsker Chaussee in Karlshorst aufgeführt
Das Stück ist lange nicht mehr aufgeführt worden. Umso erfreulicher, dass es nun im 60ten Jahr der DDR-Gründung wieder in Berlin zu sehen ist. Dann noch dazu an einem Ort, der nicht geeigneter sein könnte. Im Garten des Deutsch-Russischen Museums, dort wo noch die Panzer der Roten Armee zu sehen sind, die dem Naziterror ein Ende machten, wird das Drama der gescheiterten Revolution gegeben. Anders als ein geschichtsloser Zeitgeist uns weismachen will, wird hier die DDR in den Zusammenhang einer internationalen Revolution gestellt, die alle Menschen befreien will und doch zu Druck und Repression greifen muss, um sich zu erhalten. (Blog von Peter Novak bei freitag.de)
Müller-Collage: Auf allen Ebenen herrscht Krieg
Auf den ersten Blick sehen der betagte Panzer und die vorsintflutlichen Militärfahrzeuge im kleinen Park hinter dem Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst so aus, als wären sie bei der Abwrackprämie vergessen worden. Doch kaum marschieren Soldaten auf, wirkt das vermeintliche Alteisen auf einen Schlag bedrohlich. (Berliner Morgenpost, zum Online-Artikel)
Rettung durch das Knast-Theater
Para Ndobasi Kiala aus Kongo spielt seit Jahren bei der Knasttheatergruppe "aufBruch" mit. Kurz vor der Premiere der neuen Stücks wäre er fast abgeschoben worden... (taz, zum Online-Artikel)
Der ewige Gehorsam
Seit 1995 ist es einziges bilaterales Museum der früheren Kriegsgegner. Mehr Bezug zum Thema der Inszenierung geht nicht. Als szenische Collage montiert sie Auszüge aus »Zement«, »Wolokolamsker Chaussee« I, II, III und V, »Der Auftrag«, »Lohndrücker« und »Germania Tod in Berlin« zwischen Prolog und Epilog, verwendet Tagebuchaufzeichnungen eines Wehrmachtssoldaten und Motive aus Bechers »Winterschlacht«, flicht eigene Texte ein. Der frühe, schon kritische, wiewohl systemverbundene Müller trifft auf den späten, den Rundumphilosophen und Moralisten. Wieder formt die Regie dabei eindringliche Bilder. Eine Trommlerin gibt in straffer Ansage die Stationen vor, von den Kämpfen zwischen Weißgardisten und Bolschewiki 1918 und der Abwehr des deutschen Angriffs über den Aufbau der DDR, Juni-Aufstand und Prager Frühling bis zum Duell zweier Generationen in der Spätphase eines untergehenden Landes. (Neues Deutschland, zur Online-Ausgabe)
Chor: Angst ist die Mutter des Soldaten und der erste Schnitt geht durch die Nabelschnur und wer den Schnitt verpasst, stirbt an der Mutter.
Peter Atanassow lässt Müllers messerscharfe Texte von Chören skandieren. So erhalten sie eine geradezu archaische Wucht.
Atanassow: "Es ist wie ein Rhythmus, dem du dich nicht entziehen kannst. Du kannst dich dem Geschwafel vorm Fernseher entziehen. Du kannst aber nicht einschlafen, wenn ein Chor spricht."
Chöre in immer neuen Konstellationen sind das Erfolgsgeheimnis der ungeheuer wirkungsvollen Inszenierung. ...
(Radio-Beitrag Deutsche Welle Kultur)
Gefangenen-Theater am Deutsch-Russischen Museum
tv.berlin - 3 minütiger Beitrag