... Der Steuermann trägt jetzt Schlips und singt rappend von hoch oben auf dem improvisierten Schiffsdeck: "Wir fahr'n in Richtung Leben an den Ort, wo Freude wohnt. Auf unserm Schiff der Träume mit dem Ziel nach nirgendwo." Für die Produktion haben sich alle anonymisierte Namen zugelegt. Der Steuermann nennt sich "Lord 1". Er ... will mal ein richtiger Rapper werden, mit Plattenvertrag und so. Seit zwei Jahren sitzt er. Wegen schweren Raubes. Acht Monate muß er noch aushalten. "Hier träumt man wirklich viel", sagt der 19jährige, "von den schönsten Sachen. Was soll man sonst tun?" ... (Berliner Morgenpost vom 15. Mai 2006)
Verlorene Seelen auf See
... "Wir sind so frei, wie es nur geht", singt Lord 1. Als erster Offizier steht er am Steuerrad des Schiffs der Träume und spielt seine Rolle so ruhig und konzentriert, als wäre er ein alter Schauspielhase. Dabei steht er wie die meisten seiner Kollegen zum ersten Mal auf der Bühne. Das Schiff der Träume erwist sich als maroder Kahn, den die Reeder am liebsten auf dem Meeresgrund sähen, um die Versicherung zu kassieren. "Verlorene Seelen auf See" - unterwegs in eine ungewisse Zukunft. Denn es finden sich blinde Passagiere an Bord, später brennt es, dann fällt der zweite Offizier über den Steuermann her und zerstört die Funkanlage. Die Lage eskaliert, als der Schiffsjunge den zweiten Offizier angreift. "Manchmal kann man den Hass nicht sehen, den ein Mensch in sich trägt." Es entbrennt ein Streit zwischen Mannschaft und Offizieren. Ist die Tat des Schiffsjungen zu verurteilen? "Strafe macht die Welt nich besser", so ein Strafgefangener. Der Junge wird befreit, die Mannschaft träumt von Piraterie. Die Meuterei endet, als die Worte ertönen: "Hier spricht die Küstenwache!"
Es gibt viel Beifall für die Gefangenen, so viel, dass einige die positive Resonanz gar nicht fassen können. Sie fliehen förmlich, vor der Wucht des Beifalls. Doch für den Schlussbeifall stehen alle wieder vereint auf der Bühne. ... (Neues Deutschland vom 17. Mai 2006)