Maskierte Krieger stürmen in die Mittelhalle, skandieren im Chor Text-Collagen von Müller, Handke, Koltès. Diktatoren dieser Welt brüllen ihre Allmachtsfantasien durch die Halle, aus der Kuppel hallt es hohl zurück. Am Ende eine Geigerin, die eine klagende Balkanmelodie intoniert. Dumpf hallen Stiefelschritte aus den Gängen.
Hier hätte Schluß sein können, alle Fragen sind gestellt. Statt dessen entscheidet sich Regisseur Peter Atanassow für einen harten Schnitt. Das Publikum wechselt von der Halle in den Schwurgerichtssaal. Nach Protokollmitschriften wird der Prozeß gegen den Serben Novislav Djajic nachgestellt, der in Bosnien-Herzegowina an einem Massaker beteiligt war. Ein praktisches Beispiel nach all der collagierten Theorie, doch dramaturgisch ist der scharfe Bruch schwer zu kitten. Als Klammer bleibt die fraglos perfekte Wahl des Aufführungsortes. Ein Haus, das das Thema atmet, von dem hier die Rede ist: Genau hier nämlich täuschte 1944/45 der Volksgerichtshof in den berüchtigten Schauprozessen gegen die Widerstandskämpfer des 20. Juli Gerechtigkeit vor. (Berliner Morgenpost)
Einen unvermutet aufwühlenden Abend hat das Ensemble aufBruch um Regisseur Peter Atanassow gestaltet. Die Nachrichten von den vielen scheinbar fernen Kriegen begleiten unser Leben, ohne dass sie uns wirklich erreichen. Im Kammergericht zu Berlin gelingt es den zehn Akteuren, mit dem Stück „HORATIER 2 Heimat.Liebe.Tod.“ das Szenario der Gewaltspirale nachvollziehbar und glaubwürdig zu markieren und den Zuschauer aus der unbeteiligt distanzierten Position heraus zu berühren. Kein noch so sensationslüsterner Fernsehbericht vermag so etwas. (Neues Deutschland)
Regisseur Peter Atanassow lässt die Darsteller keine Rolle spielen, auch nicht sich selbst. Vielmehr versteckt er die Körper in Tarnanzügen, Springerstiefeln und Strumpfmasken; formt sie zu seelenlosen Tötungsmaschinen, die Gesten des Sterbens und Sterbenmachens ausführen, ohne etwas Lebendiges ahnen zu lassen. Stahlharte Milizkörper. ... Später wird im kleinen Gerichtssaal der Versuch des Gesetzes gezeigt, einen einzelnen aus der Tötungsmaschinerie herauszugreifen und zu verurteilen. Aber wie kann einer den anderen richten, wie kann einer die Wahrheit über den anderen kennen? Hier scheinen die ehemals Inhaftierten am nächsten bei sich selber zu sein, wenn sie davon berichten, wie sie vor Gericht plötzlich alles, selbst das Tanzen zu Jugendzeiten und die erste Liebe, in Stützen der Anklage verwandelt. (Junge Welt)
Der Blick in die Kuppel mit ihren 17 Metern Spannweite und auf die darunter liegenden neobarocken Balustraden vermittelt optisch etwas von der Wucht des Spannungsverhältnisses zwischen Geschichte, Moral und Wahrheit, das die Schauspieler körperlich und sprachlich ausdrücken.
Die zweistündige Inszenierung ist eine oft meisterhaft gesprochene und dargestellte Verunsicherung vermeintlicher Gewissheiten um Geschichte, Recht und Wahrheit. (Oranienburger Generalanzeiger)