Roland Brus eröffnet seine Inszenierung des Bühnen-Stückes über die "Gladow-Bande" mit einer ebenso musikalischen wie darstellerischen Ouvertüre. Themen werden angeschlagen, Fragen aufgeworfen, Personen vorgestellt und in einen historisch-gesellschaftlichen Kontext gebracht. Schließlich mündet diese streng choreographierte, eruptiv sich steigernde Sinfonie der Körper und Bewegungen, Töne und Klänge, Bilder und Ansichten in ein ruhiges, gruseliges Bild ... die Inszenierung, ebenso klug wie vertrackt komponiert, erzählt nicht chronologisch, sondern blendet vor und zurück, überblendet auch gelegentlich die Zeiten und Perspektiven ... Die Schauspieler dieser ungemein musikalischen, mit Tempo-Steigerungen und Rhythmus-Variationen furios hantierenden Inszenierung warten wie Auswechselspieler auf ihren harten Bänken. Wechseln Kleider und Rollen, greifen ein, erheben das Wort, verstummen wieder.
(SFB-Galerie des Theaters)
Außer ein paar Stadthistorikern und Kriminologen erinnert sich heute kaum noch jemand an den berühmtesten Gangster der Nachkriegszeit. Nun hat sich jedoch die Theatertruppe "aufBruch - Kunst Gefängnis Stadt" unter der Regie von Roland Brus des Stoffs um Gladow und seine Verbrecherbande angenommen ... Vor einem Jahr inszenierte die Gruppe in der Justizvollzugsanstalt Tegel das "Endspiel" von Beckett zusammen mit Gefangenen, was allgemein für Aufsehen sorgte ... Auch sonst setzt man auf Authentizität. Dicht am historischen Material zieht sich das Stück auf der Bühne dahin, eingestreute Filmsequenzen aus amerikanischen Gangsterfilmen und O-Tönen aus der Besatzungszeit führen das Publikum in die Atmosphäre der Nachkriegsjahre ein ... Die Figur von Werner Gladow stellt der Schauspieler Lajos Talamonti eindringlich in Szene ... Dass Gladow verlieren wird, sieht man dem Spiel von Talamonti von Anbeginn an.
(die tageszeitung)
Die Inszenierung von Roland Brus hievt die Geschichte des 17-jährigen Gladow auf beträchtliches Niveau. Sie arbeitet mit Filmprojektionen, Tondokumenten, versetzter Chronologie. In bewegten Ensemblebildern werden der Schwarzmarkt auf dem Alex und die Stimmung einer voyeuristischen Berliner Öffentlichkeit auch atmosphärisch nachgezeichnet ... Der Mythos Gladow hat seinen Niederschlag in der Literatur und im Film gefunden. Heiner Müller wollte ... eine Analogie zwischen dem Verbrecher und dem DDR-Arbeitshelden Garbe sehen. "aufBruch" verleibt jetzt sogar Müller als kommentierendes Mitglied der Bande ein.
(Berliner Morgenpost)
Roland Brus, Castorf-Schüler und aufBruch-Regisseur, und Dramaturg Georg Kistner haben versucht, das überquellende dokumentarische Material einschließlich seiner Literarisierung ... in epischer Demonstra(di)tion auf die Bühne zu bringen. Gespickt mit Liedgut zwischen Drittem Reich und früher DDR, dekoriert von Videofilmen, strukturiert durch eine, schlichte, aber kluge Choreographie (Andrea Hovenbitzer). Das ist viel Stoff und viel Idee.
(Die Welt)
... mit Profis und Laien gelingt Roland Brus einmal mehr der Grenzgang dieser im Theater immer noch überhaupt nicht selbstverständlichen Art. Aber auch die Ahnung bleibt, dass alles, was bei diesem Gladow-Auftakt noch bedenklich nach Theorie schmeckt, im Knast von Tegel erst zwingende Beweiskraft entwickelt: Ab Anfang Mai hinter den Mauern in der anderen Welt ...
(Radio Bremen)
Die Gladow-Bande ist wie geschaffen für eine Dramatisierung. Roland Brus hat sich ihr in einem groß angelegten Regieprojekt gestellt, dessen zweiter Teil "Gladow-Casting/Das 11. Gebot" in der Justizvollzuganstalt Tegel Premiere haben wird. Der erste Teil "Vom Wert ehrlicher Arbeit" ist jetzt im Theater am Halleschen Ufer zu sehen, es ist eine tapfere Arbeit ... Zwanzig Menschen sind gleichzeitig auf der Bühne, jede Figur wird nur mit einem Strich oder einem Tupfer charakterisiert, und so entsteht ein Tableau mit viel Zeitkolorit ...
(Berliner Zeitung)
Den vorläufig letzten Versuch ... sich dem "Al Capone von Berlin" künstlerisch zu nähern, hat jetzt das Theater AufBruch mit dem Stück "Die Gladow-Bande" im Theater am Halleschen Ufer unternommen. Die Inszenierung schreibt weiter an der zwischen Mystifikation und zeitgeschichtlicher Recherche schwankenden Legendenbildung. Unabhängig von ihren künstlerischen Qualitäten betreibt sie damit nicht weniger als Arbeit am Mythos - und das ist, wenn man den gut besuchten Premierenabend als Indiz nehmen will, ein erfolgversprechendes Unternehmen. Verbrechen lohnt sich wieder, zumindest künstlerisch.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)