Anders als der erste Teil des Stückes ... findet der zweite Teil "Gladow-Casting / Das 11. Gebot in Tegel statt ... denn wer kann sich wohl besser in Gladow und seine Bande hineinversetzen, als Menschen, die selbst schon mit dem Gesetz in Konflikt kamen? ... "Einen Bankraub zu planen, ist harte Arbeit", sagt einer der Gefangen. Er und die anderen Mitglieder des Gefangenenensembles sind inzwischen keine Laien-Schauspieler mehr ... Und wie immer hofft er den Menschen "Draußen" durch sein Spielen ein wenig näher bringen zu können, "wie es hier drinnen aussieht".
(Potsdamer Neueste Nachrichten)
Was die Gefangenen in Tegel nun spielen, ist weniger eine Hommage an den jugendlichen Al-Capone-Nachahmer als vielmehr eine Reflexion über das Verbrechen als dynamischen Bestandteil der Gesellschaft ... Das Ensemble der Gefangenen verblüfft dabei mit seinem Gefühl für den Rhythmus einer Inszenierung, die Revue, Kabarett und Kammerspiel zusammenbringt. Eine oft akrobatische Körpersprache, eine perfekte Mimik und ausgereifte Sprechtechnik mit viel Selbstironie überraschen an diesem Ort.
(Berliner Morgenpost)
Die "Schule des Verbrechens" ist eine von Ex-Kriminellen gespielte Anleitung zum Kriminell-Sein ... Das Gefangenenensemble spielt mit faszinierender Ernsthaftigkeit den Traum vom perfekten Verbrechen ... Nebenan liegt der Flughafen, eine leere Maschine mit vollen Tanks ist die Forderung bei der Geiselnahme, der gespielten mit dem so unspektakulären Ende: Das perfekte Verbrechen ist nur ein Traum.
(Tagesspiegel)
Regisseur Roland Brus entwickelte im Knast eine furiose und lebendige Interpretation des Verbrechens an sich ... In straff montierten Szenen spielen die "Knackis" ihre Schule des Verbrechens durch ... Das Bühnenbild Holger Syrbes, eine Konstruktion aus zweistöckigen Baustellengerüsten überzeugt. Gestern wäre Werner Gladow 70 Jahre alt geworden. Das Ensemble aufBruch beweist: Gladow lebt.
(Junge Welt)
Für die Schauspieler sind die Zuschauer von draußen eine Verbindung zur Welt, und jeder, der hier reinkommt, muss sich darauf gefasst machen, dass er keiner normalen Theatervorstellung beiwohnt ... Um die Frage, ob Verbrechen Arbeit ist und welchen Stellenwert das Gefängnis in Beziehung zur Gesellschaft hat, kreist die Inszenierung ... Es geht im Stück nicht um Moral, sondern um Dialektik. Wieviel Kriminalität braucht die Gesellschaft?
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)
In dieser Inszenierung von Roland Brus können die Darsteller ihre Natur leben und sich mit ihrer Lässigkeit in unser Herz stehlen ... In einer großartigen Gerichtsszene erproben die Gefangenen verschiedene psychologische Kniffe, um das Strafmaß zu mindern. Das "Modell Gladow" hat dabei keine Chance gegen das "Modell Reue" ... Die Gefangenen johlen, die Zuschauer klatschen erst zaghaft. Dann immer heftiger.
(Berliner Zeitung)
Und weil sie sich so toll mit dem einzig nennenswerten Verbrecher Berlins identifizieren und ihre eigenen Biographien so unverblümt in den Theaterabend einbringen können, verhilft Altmeister Gladow "aufBruch" zum bislang dichtesten Projekt der sechsjährigen Knastbespielungsgeschichte ... Zusammengehalten werden die Szenen von einem Laienensemble, das sich nicht als lahmer resozialisierter Haufen am Aufsagen wenig verständlicher Theatertexte versucht, sondern den schillernden Mythos vom Verbrechen aus Übermut lustvoll auskostet. Natürlich bleibt das alles nur Theater; doch selbst das Wachpersonal vergisst mal kurz die Personalakten und schaut sich seine Schützlinge als Erzeuger von Fiktionen an.
(Neues Deutschland)
The aufBruch, or takeOff, theater group has been playing in since 1997 under director Roland Brus. Gladow-Casting centers on the questions of prison´s place in society and wheter crime is work. Tegel becomes a training camp, a school of crime ... The play is not about morals, but about dialectics.
(International Herald Tribune)
Aber das wären sie gern alle ... "Gentleman"-Verbrecher. Geniale Strategen der Nachtseiten unserer Gesellschaft, von der schon Karl Marx wusste, dass darin Verbrechen lohnt ... Dieser von Brecht bis Alexander Kluge häufig variierte Romantizismus bekommt im Kulturraum des Gefängnisses allerdings ein ganz anderes Gepräge: ein prickelndes, aufregendes, fast ein wenig verworfenes.
(Deutschlandfunk)