Presse Probentagebuch Endspiel

So wird das Paarverhalten vervielfältigt und als Modell erkennbar ...  Alle sind gleichberechtigt und Brus schafft es, aus jedem Auftritt etwas Unverwechselbares herauszuholen ...  Mit unverbrauchter Rohheit überzeugte ihre Spiel und ihre Lust am Theater ließ manchen Zuschauer die Umstände der Premiere vergessen.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 

"Die Tegeler hatten den kompetentesten Kritiker zu Gast, den es in Sachen Beckett im Knast überhaupt gibt. Rick Cluchey ...  war von der Intensität der Aufführung tief berührt. Als Geste des verstehenden Dankes erzählte er den nahezu fassungslosen Gefangenenspielern hinterher, dass er das Tegeler Gefängnis schon einmal besucht habe - zusammen mit Beckett."
(Theater der Zeit, Nov. 2000)

Betroffenen-Theatergruppen werden von der Kritik meist gutgemeinte Unprofessionalität und mangelhafte künstlerische Qualität bescheinigt. Weil Becketts Handlung sich hier so plakativ mit der realen Situation der JVA-Gefangenen deckt, wirken die Agierenden trotz Unterbrechungen von Regisseur Roland Brus bei den schnauzigen Dialogen allerdings tatsächlich echt. Das alte Theater-Problem der Aufhebung von Bühne und Publikum scheint über Sequenzen überwunden.
(die tageszeitung)

Sie spielen Hamm und seinen Diener Clov am Ende aller Zeiten, neun Hamms, acht Clovs, acht Paare und ein Einzelner, unterstützt von zwei professionellen Schauspielern, die als Ihre "verfluchten Erzeuger" auftreten: Nagg und Nell, die Eltern, die auch bei Brus in einer Tonne leben und nach ihrem Brei schreien ...  Unvergessliches Knasttheater!
(Süddeutsche Zeitung)

 


Brus´ Regie-Arbeiten im Knast sind aufführungsorientiert, disziplinierend. Keine "Betroffenheitskiste", kein Laientheater, das mit dem Hinweis auf "Resozialisierung" ästhetischen Rabatt beansprucht. Die Frage, ob "Gefängnis-Theater" eine Therapie und Regie eine Form von Sozialarbeit sind, war ein das Festival begleitendes Leitmotiv ...  Doch die Tegeler Aufführung hatte die Frage bereits praktisch und sehr eindrucksvoll beantwortet: wenn Therapie, dann für das Theater.
(Westdeutsche Zeitung)