Presse Tegel Alexanderplatz Einlieferung Auslieferung

Die zweiteilige Inszenierung "Tegel-Alexanderplatz" ist die reifste Arbeit, die Roland Brus zusammen mit dem Dramaturgen Hans Joachim Neubauer und dem Bühnenbildner Holger Syrbe gemacht hat. Im November 1998 uraufgeführt, ist sie dieser Tage auf dem Festival "Theater der Welt" noch einmal zu sehen. Sie überblendet die Schicksale der Gefangenen mit dem Schicksal des Franz Bieberkopf, dem Helden aus dem Roman von Alfred Döblin. "Auslieferung" spielt in der JVA Tegel, "Einlieferung" auf dem Alexanderplatz.

... naturgemäß kamen die Akteure nicht zum Festival (Theater der Welt), sondern das Festival zu den Akteuren. Das ist vermutlich nicht nur juristisch bedingt, sondern auch ästhetisch sinnvoll. Denn die periodisch erhobene Forderung, Theater müsse aus dem natürlichen Lebenszusammenhang der Beteiligten hervorgehen, ist bei "Aufbruch" vorbildlich umgesetzt ...  Dabei haben sie alle so einen lodernden Strahl in ihren Augen, von dem man ahnt, dass er die gespannte Kraft ihrer Körper sofort entzünden könnte. Ansonsten ist das Ensemble ein facettenreiches Charakterkabinett ...  Das Seltsamste an dieser Theaterinszenierung ist man selber.
(Berliner Zeitung)
(Berliner Zeitung)

Der Einbruch des Theaters in die Wirklichkeit war das für mich wichtigste Thema des Festivals. Ein "Theater der Welt", das in die Welt hinaus geht, sich aller institutionellen Bindungen entledigt und sich als kleiner Störfaktor in den Alltag hineinschleicht. Noch immer reagieren Passanten, die den Ort des Geschehens zufällig kreuzen verstört.
(Tagesspiegel)

Es ist erstaunlich, wie sich die Zuschauer "gefangennehmen" lassen von dieser Inszenierung, wie sie mitfiebern ...  Die erste Folge des Dramas spielt auf dem Alexanderplatz ...  Eine gelungene Inszenierung des öffentlichen Raums: Die Zweckarchitektur zeigt versteckte Reize, der Zuschauer wird zum Peripatetiker. Und die an den Rand gedrängten Schicksale der Gefangenen werden laut in der Mitte der Stadt.
(Berliner Zeitung)

Ihnen ist etwas geglückt, wovon große Bühnen träumen: nicht nur ein traurig-schöner Bilderbogen von großer Eindringlichkeit, sondern auch eine gelungene Operation an der Vorstellungskraft der Zuschauer. Die scheinbar unüberwindliche Schranke zwischen Insassen und Publikum ist nach dem Schlussapplaus wie weggeblasen.
(Stuttgarter Zeitung)