Chronik

NATHAN DER WEISE

von Gotthold Ephraim Lessing

Freilufttheater in der Jungfernheide

 

Premiere: 2. September 2026

Vorstellungen:
3., 4., 5., 6., 9., 10., 11., 12. und 13. September 2026
jeweils um 18.30 Uhr (geänderter Vorstellungsbeginn).

 

Start des Kartenvorverkaufs:

Samstag, den 22. August 2026

 

 

Jerusalem. Seit Jahrhunderten beten, hoffen und sterben Menschen um dieses Stück Erde. Juden, Christen und Muslime blicken zum selben Himmel und schlagen sich auf Erden die Köpfe ein.

In diese Stadt schickt Lessing seinen Nathan mitten in die Zeit der Kreuzzüge mit einer ungeheuren Aufgabe: in dieser Welt der alten Rechnungen und steinernen Grenzen trotz allem an den Menschen zu glauben. Nathan versucht zwischen den Religionen zu vermitteln. Und ihm wird jene verhängnisvolle Frage gestellt, hinter der Jahrhunderte von Gewalt stehen: Welche Religion ist die richtige?

 

Seit bald 250 Jahren steht NATHAN DER WEISE für das große Versprechen der Aufklärung, für Toleranz, Versöhnung, Humanismus und Hoffnung. 1779 schreibt Lessing dieses Märchen gegen eine Welt der Dogmen und der religiösen Schranken. Heute wissen wir: Das Versprechen der Aufklärung bietet keinen Schutz. Zwischen Lessing und uns liegt die Geschichte, die den Ideen der Aufklärung ihre dunkelste Widerrede entgegengesetzt hat. Das 20. Jahrhundert hat gezeigt: Bildung schützt nicht vor Barbarei; die Vernunft selbst wird zu ihrem Werkzeug.

 

Das aufBruch-Außenensemble, bestehend aus Ex-Gefangenen, Freigängern und einer Schauspielerin, nimmt auf der Gustav-Böß-Freilichtbühne in der Jungfernheide Lessings Entwurf eines friedlichen Zusammenlebens neu auf den Prüfstand. Denn Lessings Märchen von der Gleichheit aller Menschen entfernt sich immer schmerzlicher ins Reich der Utopie. Religiöse und politische Konflikte brennen auf der ganzen Welt, Antisemitismus und Rassismus brechen sich Bahn, Menschen verschanzen sich hinter Herkunft, Nation und Glauben. Sein Vertrauen in die Vernunft klingt da beinahe unverschämt. Aber ein Märchen beschreibt die Welt nicht, wie sie ist. Es hält ihr eine andere entgegen. Es zeigt: so wie es ist, muss es nicht bleiben.

 

Darin liegt die Ungeheuerlichkeit seines Stücks. Die Menschen tragen ihre Geschichten und Verletzungen mit sich und die alten Rechnungen in die Zukunft. Sie errichten Grenzen zwischen sich und nennen sie Wahrheit. Doch Lessing widerspricht: Der Mensch ist geprägt von seiner Geschichte, aber er ist nicht dazu verdammt, ihr Vollstrecker zu sein. Herkunft ist kein Schicksal. Schmerz kein Auftrag. Zwischen dem, was geschehen ist, und dem, was geschehen wird, steht ein Mensch – und mit ihm die Möglichkeit einer Entscheidung.

Es ist mit der menschlichen Vernunft wie mit Gott.
Niemand hat sie gesehen, und doch wird behauptet, dass sie da sei.

 

 

 

 

Eine Open-Air-Theaterproduktion von aufBruch in Kooperation mit dem Kulturbiergarten Jungfernheide

 

Es spielt ein gemischtes Ensemble aus Freigängern, Ex-Inhaftierten und Schauspielern:
Abdul, Adrian U., Ali, Juliette Roussennac, Matthias Blocher, Max Sonnenberg, Mohamad Koulaghassi, Özcan, Para Kiala, Pierre, Steffen, Sven-Eric.

 

Regie Peter Atanassow Bühne Holger Syrbe Kostüme Elena Chant Dramaturgie Franziska Kuhn Musikalische Einstudierung Vsevolod Silkin, Jens-Karsten Stoll Choreographie Suzann Bolick Produktionsleitung Sibylle Arndt Regieassistenz Kirill Semenkin, Moritz Waldthaler Kostümassistenz Jooeun Lee Grafik Dirk Trageser

 

 

Tickets: 18 € / 12 € (ermäßigt) ab Samstag, den 22.08.2026

Infos zu Tickets und Einlassbedingungen

 

 

 

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
In Kooperation mit dem Kulturbiergarten Jungfernheide, der JVA OV Berlin, der JVA Tegel, der JSA Berlin und dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf.
aufBruch wird unterstützt durch den Verein der Freunde und Förderer des Gefängnistheaters in Berlin e.V. und zahlreiche private Spenderinnen und Spender.

 

 

 

 

Fotos: Copyright Thomas Aurin / Mark Schulze Steinen
Jedwede Verwendung nur nach vorheriger Genehmigung durch aufBruch / Thomas Aurin / Mark Schulze Steinen

 

 

 

 

Pressestimmen

Ein Platzhalter für eigene Gedanken

Das Berliner Gefangenentheater aufBruch spiegelt in einer Open-Air-Inszenierung von Lessings Ideendrama „Nathan der Weise“ Debatten der Gegenwart an dem Klassiker.

 

von Katja Kollmann

zum Artikel

 

 

Gefangenentheater AufBruch: "Nathan der Weise"

Gefangene, die Theater spielen: Das gibt es in Berlin seit fast 30 Jahren. "AufBruch" heißt das Ensemble und normalerweise finden die Aufführungen in Gefängnissen statt. Das Publikum erlebt da eine besondere Atmosphäre in sonst nicht zugänglichen Räumen. Ab und zu geht das Projekt aber raus an die frische Luft. Die neue Produktion "Nathan der Weise" wird auf der Freilichtbühne im Volkspark Jungfernheide gespielt. Ein Vorbericht.

 

von Alessandro Di Sano

zum Radiobeitrag

 

 

Das Ensemble des aufBruch Gefängnistheater spielt Lessings Dramatisches Gedicht über den Gedanken der Toleranz in finsteren Zeiten

von Stefan Bock

zum Artikel

 

Spielort:
Gustav-Böß-Freilichtbühne in der Jungfernheide
Zugang über:
Kulturbiergarten Jungfernheide
Heckerdamm 274
13627 Berlin.


BITTE DER AUSSCHILDERUNG FOLGEN


Anfahrt:
U7 „Halemweg“
zzgl. 20 Minuten Fußweg
 
 
Einlass ab 18.15 Uhr
 
KEIN NACHEINLASS
 
Dauer: ca. 110 min.