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NATHAN DER WEISE
von Gotthold Ephraim Lessing
Jerusalem. Seit Jahrhunderten beten, hoffen und sterben Menschen um dieses Stück Erde. Juden, Christen und Muslime blicken zum selben Himmel und schlagen sich auf Erden die Köpfe ein.
In diese Stadt schickt Lessing seinen Nathan mitten in die Zeit der Kreuzzüge mit einer ungeheuren Aufgabe: in dieser Welt der alten Rechnungen und steinernen Grenzen trotz allem an den Menschen zu glauben. Nathan versucht zwischen den Religionen zu vermitteln. Und ihm wird jene verhängnisvolle Frage gestellt, hinter der Jahrhunderte von Gewalt stehen: Welche Religion ist die richtige?
Seit bald 250 Jahren steht NATHAN DER WEISE für das große Versprechen der Aufklärung, für Toleranz, Versöhnung, Humanismus und Hoffnung. 1779 schreibt Lessing dieses Märchen gegen eine Welt der Dogmen und der religiösen Schranken. Heute wissen wir: Das Versprechen der Aufklärung bietet keinen Schutz. Zwischen Lessing und uns liegt die Geschichte, die den Ideen der Aufklärung ihre dunkelste Widerrede entgegengesetzt hat. Das 20. Jahrhundert hat gezeigt: Bildung schützt nicht vor Barbarei; die Vernunft selbst wird zu ihrem Werkzeug.
Das aufBruch-Außenensemble, bestehend aus Ex-Gefangenen, Freigängern und einer Schauspielerin, nimmt auf der Gustav-Böß-Freilichtbühne in der Jungfernheide Lessings Entwurf eines friedlichen Zusammenlebens neu auf den Prüfstand. Denn Lessings Märchen von der Gleichheit aller Menschen entfernt sich immer schmerzlicher ins Reich der Utopie. Religiöse und politische Konflikte brennen auf der ganzen Welt, Antisemitismus und Rassismus brechen sich Bahn, Menschen verschanzen sich hinter Herkunft, Nation und Glauben. Sein Vertrauen in die Vernunft klingt da beinahe unverschämt. Aber ein Märchen beschreibt die Welt nicht, wie sie ist. Es hält ihr eine andere entgegen. Es zeigt: so wie es ist, muss es nicht bleiben.
Darin liegt die Ungeheuerlichkeit seines Stücks. Die Menschen tragen ihre Geschichten und Verletzungen mit sich und die alten Rechnungen in die Zukunft. Sie errichten Grenzen zwischen sich und nennen sie Wahrheit. Doch Lessing widerspricht: Der Mensch ist geprägt von seiner Geschichte, aber er ist nicht dazu verdammt, ihr Vollstrecker zu sein. Herkunft ist kein Schicksal. Schmerz kein Auftrag. Zwischen dem, was geschehen ist, und dem, was geschehen wird, steht ein Mensch – und mit ihm die Möglichkeit einer Entscheidung.
Eine Open-Air-Theaterproduktion von aufBruch in Kooperation mit dem Kulturbiergarten Jungfernheide
Es spielt ein gemischtes Ensemble aus Freigängern, Ex-Inhaftierten und Schauspielern:
Abdul, Adrian U., Ali, Juliette Roussennac, Matthias Blocher, Max Sonnenberg, Mohamad Koulaghassi, Özcan, Para Kiala, Pierre, Steffen, Sven-Eric.
Regie Peter Atanassow Bühne Holger Syrbe Kostüme Elena Chant Dramaturgie Franziska Kuhn Musikalische Einstudierung Vsevolod Silkin, Jens-Karsten Stoll Choreographie Suzann Bolick Produktionsleitung Sibylle Arndt Regieassistenz Kirill Semenkin, Moritz Waldthaler Kostümassistenz Jooeun Lee Grafik Dirk Trageser
Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
In Kooperation mit dem Kulturbiergarten Jungfernheide, der JVA OV Berlin, der JVA Tegel, der JSA Berlin und dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf.
aufBruch wird unterstützt durch den Verein der Freunde und Förderer des Gefängnistheaters in Berlin e.V. und zahlreiche private Spenderinnen und Spender.
Spielort:
Gustav-Böß-Freilichtbühne in der Jungfernheide
Zugang über:
Kulturbiergarten Jungfernheide
Heckerdamm 274
13627 Berlin.
BITTE DER AUSSCHILDERUNG FOLGEN
Anfahrt:
U7 „Halemweg“
zzgl. 20 Minuten Fußweg
